Das UrZeit-Experiment ist geglückt :-)

Wichtige Erfahrungen in der "Ur-Zeit"

Von Anke Landwehr
Verden. 'Das hätte auch schief gehen können, ist es aber nicht', freut sich Kreisjugenddiakon Detlef Rakebrand. Der Leiter des Evangelischen Kreisjugenddienstes Verden hat sich ein neues
Konzept für die Kinderfreizeiten auf Ameland ausgedacht: Er hatte elf 13- bis 14-Jährige dabei, die sich an Gestaltung und Durchführung des Programms für Kinder im Grundschulalter
beteiligten.
Die Jugendlichen genossen ihre „Ur-Zeit“ auf Ameland ebenso wie die Kinder, bei deren Betreuung sie geholfen haben.
Die Jugendlichen genossen ihre „Ur-Zeit“ auf Ameland ebenso wie die Kinder, bei deren Betreuung sie geholfen haben.

Rakebrand nennt das 'Ur-Zeit' und bezeichnet damit eine Kombination aus Urlaub und Freizeit. Eingeladen hatte er dazu Jugendliche aus dem Kirchenkreis Verden, die in jüngeren Jahren selbst an den
Ameland-Aufenthalten des Kreisjugenddienstes teilgenommen hatten. 'Sie sind zu alt für die Kinderfreizeiten, aber noch zu jung, um als Mitglied des Leitungsteams wieder auf die Insel fahren zu
können', so Rakebrand.

In enger Absprache mit den Eltern hätten sie nun die Möglichkeit gehabt, zehn Tage auf Ameland zu verbringen und sich diese Zeit selbst gestalten zu können. Die Jugendlichen konnten wahlweise an
den Aktionen für die Kinder teilnehmen oder selbst Angebote für die Kleineren auf die Beine stellen - 'und damit einmal ausprobieren, ob ein Dasein als Mitarbeiter einer Kinder- oder
Jugendfreizeit der evangelischen Jugend ein erstrebenswertes Ziel ist', schreibt Rakebrand in einer Pressemitteilung. Das sei ein spannender Prozess gewesen und für die Jugendlichen 'ein großer
Lernschritt auf vielen Ebenen.'

Am prägendsten sei die Erfahrung gewesen, 'dass sich ein Haus nicht von ganz allein aufräumt, Frühstück zubereitet und Mittagessen auch eingekauft werden muss.' Einen Tag eigenverantwortlich zu
planen, ohne dass einem jemand Arbeit abnehme, sei für einige eine wichtige neue Erfahrung gewesen, meint der Kreisjugenddiakon.

Die Kinder der Ameland-Freizeit hätten es genossen, 'dass es noch eine Menge mehr an ?Großen? gab, die mit ihnen Fußball spielten, die halfen, die Postkarten nach Hause zu schreiben, oder die
sich dazu setzten, wenn das Heimweh wieder einmal einen Strich durch die Freizeitfreuden machte.' Und für den Mitarbeiterstab habe das Konzept eine spürbare Arbeitsergänzung und -entlastung
gebracht.

Dass alles so gelungen sei, schreibt Rakebrand auch den Eltern der Jugendlichen zu. Sie hätten sich auf das Experiment eingelassen und ihren Kindern die Teilnahme erlaubt, obwohl: 'Elf 13- bis
14-Jährige für zehn Tage ohne kontinuierliche Aufsicht und Betreuung, das hätte auch daneben gehen können', so Rakebrand.

Dies sei aber nicht der Fall und deswegen sei eine Fortführung dieses Konzeptes 'mehr als nur wahrscheinlich.'

Ameland ist eine Insel

Es ist traurig, aber leider wahr: innerhalb weniger Tage hat es eine sensationsgeifernde Presse geschafft, aus einer Insel, die seit über 50 Jahren bei Kindern als Ferienziel für Gruppenreisen bekannt und beliebt ist, ein Horrorinsel zu machen!
Auf Ameland finden pro "Durchgang" (14tägig) zwischen 60-100 Freizeiten statt. Natürlich sind da auch Angebote darunter, die in ihrer pädagogischen, inhaltlichen und organisatiorischen Ausrichtung nicht dem Standard entsprechen, die wir in der Evangelischen Jugend haben.
Seit 1994 veranstalten wir Freizeiten für Kinder des Landkreises auf dieser Insel und wir werden es auch weiterhin tun, denn dass, was dort auf einer Freizeit geschehen ist, wird bei uns in dieser Form nicht möglich sein.

  • Wir haben eine andere Unterbringung (kleinere Zimmer)
  • Wir haben für jedes Zimmer eine aufsichtführende Betreuung (auch wenn die Kinder in den Zimmer allein schlafen!)
  • Wir haben ein organisatorisches System, in dem auch tagsüber regelmäßig die Zimmer der Kinder aufgesucht werden
  • Wir haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre Aufsichtspflicht in vollem Umfang wahrnehmen
  • Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Evang. Jugend haben sich im Vorfeld der Freizeiten explizit mit dem Themen aus den Bereichen  Kindeswohlgefährdung, Sexualität, Pornografie etc. auseinandergesetzt und sich auf Eventualitäten vorbereitet

Es hat sich etwas verändert in unserer Gesellschaft - und spätetestens seit den Vorfällen im Lager des Sportbundes Osnabrück ist es endlich ans Tageslicht gekommen, was viele Pädagogen schon seit langer Zeit beklagen: viele Tabus sind in unserer Gesellschaft gefallen. Der Schein nach Außen bleibt gewahrt, aber im inneren ist vieles zerrissen.
Wir sehen aber die Chance, gerade auch durch unsere Freizeiten, Kinder und Jugendlichen Werte und Ideale zu vermitteln, die diesem "Trend" ein Stück entgegen wirken.
Und darum wird es natürlich auch im Jahr 2011 Freizeiten auf Ameland geben.

er (ist) war da . . .

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1.-5.Juni 2011

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